Jugendliche in Deutschland lesen immer schlechter
Dienstag, 18. November 2008 | Autor: Michael
Eben habe ich einen interessant Artikel auf der Süddeutschen Zeitung gelesen: “Die deutschen Lesemuffel”. Dort heisst es vor allem, dass die neue Pisa-Studie zeigen würde wie schlecht es um unsere Schüler steht, wenn es um das Textverständnis und das Lesen von Büchern ginge.
Gradezu katastrophale Ergebnisse und Zahlen hat dieser neue Test zu Tage gebracht. Demnach könne jeder fünfte 15-jährige “die Sätze lesen, das Gelesene aber kaum verstehen, weil sie am Ende des Satzes den Anfang schon wieder vergessen haben und die Bezüge nicht zu ordnen wissen. In Finnland hat nur jeder Zwanzigste solche Probleme.”
Spannend wird es, wenn nach den Ursachen geforscht wird. Zwar gibt es deutliche Unterschiede zwischen Hauptschülern und Gymnasiasten, aber auch bei Letzteren gäbe es Handlungsbedarf. Auch die Unterschiede zwischen den sozialen Schichten wären erkennbar. Die Leseleistung der Jugendlichen und Kinder nimmt nach unten hin ab.
Eine Studie mit dem Titel “Vorlesen im Kinderalltag 2008″ zeigt wo der Hase (hauptsächlich) rennt: 37% der Befragten Kinder zwischen vier und elf Jahre gaben an, dass ihre Eltern niemals aus Büchern vorgelesen hätten.
Das fast schon erschütternde Ergebnis wird noch daduch verschärft, dass (lustigerweise, wenn man die Sache mit Humor sehen möchte) Eltern in einer vorausgegangen Umfrage von 2007 nur zu 18% angaben nicht ihren Kindern vorzulesen (Wen wundert es? Wer outet sich schon gerne so?!). Kindermund tut in diesem Fall tatsächlich Wahrheit kund!
Übrigens, Väter stehen bei diesem Debakel schlechter da als Mütter. Mütter greifen laut Studie acht Mal häufiger zum Buch. Was aber die Gesamtsituation auch nicht mehr rettet…
Nun möchte man mit verschiedenen kulturellen Stiftungen und Aktionen diesem Trend entgegen wirken. Ich persönlich habe aber meine Zweifel ob diese wirklich zum Erfolg führt. Tatsache ist doch, dass, mal grob gesagt, ungebildete Eltern kaum in der Lage sein werden ihre Kinder entsprechend Lesen (und auch Schreiben) beizubringen bzw. ihre Fähigkeiten möglichst früh im Kindesalter zu fördern. Wenn es schon am einfachen Vorlesen (z.B. vor dem zu Bett gehen, was ja wohl das MINDESTE wäre!) mangelt, kann man wohl kaum noch weitere Dinge erwarten.
Sicher gibt es immer wieder Ausnahmen und natürlich können Eltern, die sich auf den Schlipps getreten und Missverstanden fühlen, nun behaupten, dass es Sache der Schule sei, den Kindern das Lesen beizubringen, was natürlich so gar nicht falsch ist. Nur zeigt es doch allgemein auch eine große soziale Schwäche, wenn man nicht in der Lage ist dem eigenen Nachwuchs aus einem Kinderbuch vorzulesen. Solche betroffenen Kinder sind später weniger gut in der Lage sich klar auszudrücken, Texte zu verstehen und Vorgetragenes wiederzugeben oder gar zusammenzufassen.
Da stell ich mir doch die Frage für wen ich hier in Zukunft blogge, wo doch sowieso kein Schwein mehr bis zum letzten Absatz mitliest oder, selbst wenn er/sie es tut, dann nicht verstanden hat, um was es eigentlich ging…
Die Konsquenzen sind bitter: Im Informationszeitalter keine Informationen mehr verarbeiten und verstehen können. Dies führt nicht nur, salopp gesagt, zur “Volksverdummung”, sondern macht wird es zukünftig wieder (noch) einfacher machen die Masse des Volkes zu manipulieren und einseitig zu informieren. Häppchenweise bekommen wir dann nur noch alles vorgesetzt. Blos nicht nachdenken oder hinterfragen (wie auch, wenn ich es nicht gelernt habe). Nur noch alles schön simpel und in schönen Farben präsentieren, am besten nur noch medial per Videobotschaft.
Leute, wir schrumpfen zu Konsumamöben (Bitte “Amöbe” im Lexikon nachschlagen, oder besser: vorlesen lassen).
Den ganzen, sehr ausführlichen, Artikel der Süddeutschen Zeitung findet man hier unter folgenden Link, dort werden auch die Einzelergebnisse der Bundesländer besprochen:
Pisa-Test – Die deutschen Lesemuffel
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