Lutz Heilmann lässt Domain Wikipedia.de sperren
Samstag, 15. November 2008 | Autor: Michael
Derzeit kann man wieder etwas lernen, nämlich, dass man sich mit fehlender Medienkompetenz im Internet keine Freunde macht, insbesondere wenn man so weltfremd reagiert wie Lutz Heilmann von der Partei Die Linke.
Dieser hat, dank einer einstweiligen Verfügung durch das Landgericht Lübeck, erreicht, dass die Adresse wikipedia.de nun nicht mehr auf das bekannte Online-Lexikon Wikipedia weiterleitet bzw. weiterleiten darf.
Der Grund: Herr Heilmann möchte nicht, dass auf Wikipedia gemachte Äusserungen über seine Person weiter erreichbar sind.
Der Stein des Anstoßes dürfte u.a. ein Artikel vom Spiegel sein, in dem das Magazin über Lutz Heilmanns Vergangenheit bei der Stasi berichtete ( siehe Ein Stasi-Mann spaltet die Linkspartei ).
Das Problem ist nur:
Die Inhalte auf Wikipedia über Lutz Heilmann sind natürlich weiterhin für die Öffentlichkeit erreichbar und zwar unter der eigentlich Hauptadresse des Lexikons: de.wikipedia.org
Die Adresse, die von vielen Menschen hierzulande gerne im Browser eingegeben wird, wikipedia.de, gehört nämlich dem Verein “Wikimedia Deutschland e.V.” . Dieser leitet(e) die Adresse einfach weiter an die eigentliche Wikipedia-Domain. Letztere befindet sich im Besitz der Wikimedia Foundation, eine in Florida, Vereinigte Staaten, inkorporierte Stiftung mit Sitz in San Francisco.
Und genau diese Stiftung in den USA lässt sich natürlich nicht so einfach per Landgericht und einer Verfügung zur Löschung oder Stilllegung bestimmter Lexikaartikel bewegen.
Also ging Herr Heilmann wohl den vorläufig einfachen Weg und sorgte dafür, dass zumindest wikipedia.de nicht mehr direkt zum Lexikon führt. Dort findet sich stattdessen nun eine kurze Stellungnahme des Vereins zur genauen Sachlage und ein Link um den Verein mit einer Spende in dieser Angelegenheit zu Unterstüzen.
Meiner Meinung nach hat diese ganze Aktion sicher nicht die Wirkung erzielt, die sich Herr Heilmann evtl. vorstellt. Ganz im Gegenteil, viele Menschen erfahren direkt von dieser Sache, sind u.U. empört und machen sich nun auf die Suche nach genauen Informationen zu den Hintergründen. Dies dürfte, abgesehen von einem kurzlebigen Medienecho, Herrn Heilmanns Ruf direkter schaden, als jeder Artikeleintrag auf Wikipedia, ganz egal, wie richtig oder falsch dieser empfunden wird. Diesem scheint leider auch nicht bewusst zu sein, dass das “Netz” nur sehr langsam (oder gar nicht) vergisst. Diese Nachricht löst natürlich eine Kettenreaktion aus, die so indirekt auch der ganzen Partei schadet bzw noch schaden wird. Beispiele in der Vergangenheit und Gegenwart gab und gibt es eigentlich zu Hauf, trotzdem wird weiterhin oft, von meist auch schlecht beratenen Menschen, die Holzhammer-Methode gewählt.
Nun könnte man natürlich auch Mutmaßen, dass Herr Heilmann diese Aktion absichtlich platziert, um von den Medien und den Menschen allgmein, mehr Aufmerksamkeit zu bekommen. Dies jedenfalls, wird ihm so oder so gewiss sein. Sowohl seine Webseite, als auch der Wikipedia Artikel über seine Person, wird sicherlich einen Besucherstrom erfahren, welcher so nie zustande gekommen wäre.
Apropos Webseite:
Sowohl die Webseite lutz-heilmann.info als auch der entsprechende Eintrag bei Wikipedia sind natürlich jederzeit bei Google zu finden. Es langt völlig einfach seinen Namen einzugeben, schon ist man voll im Bilde: auf Platz 1 finden wir die .info Domain und auf Platz 2 den Artikel bei Wikipedia (Stand 15.11.08)
Für eine Klage gegen Google dürfte die Portokasse dann aber wohl nicht ausreichen, vermute ich.
Nachtrag:
Laut Domainsmalltalk handelt es sich bei der lutzheilmann.info Domain NICHT um Lutz Heilmanns eigene Homepage, sondern vielmehr um einen fremden Inhaber der sich diese Domain angeeignet hatte um auf den Streitfall mit Wikipedia.de hinzuweisen. Auf lutzheilmann.info wird u.a. auf Heilmanns Stasi-Vergangenheit hingewiesen (in Form eines Lebenslaufes) und mitgeteilt, dass die Adresse auf Lutz Heilmann erst dann überschrieben wird, sobald dieser die Sperrung von wikipedia.de aufheben lässt.
Wie der Flächenbrand nun unaufhaltsam umgeht, lässt sich ziemlich genau auf Google beobachten, z. B. unter: Google Lutz Heilmann
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Bleibt nur noch die Frage, ob Google.de auch gleich am Montag stillgelegt wird!!!