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Pangasius – Top oder Flop?

line Pangasius – Top oder Flop?

Seit einiger Zeit ist die Fischsorte Pangasius nun schon auf vielen Speisekarten, in vielen Kühlschränken und so gut wie allen Tiefkühlregalen der Supermärkte zu finden. Schleichend, aber sehr schnell, hat sich der Pangasius hierzulande eingeschlichen und macht in der Beliebtheit der Verbraucher schon dem (unvermeidlichen) Lachs konkurrenz.. Doch was taugt dieser Fisch eigentlich wirklich? Ist er besonders schmackhaft? Eine Delikatesse? Oder sogar gesünder als andere Fische?

Gleich vorweg: er ist es nicht.
Oder genauer gesagt: er schmeckt nach nichts, er ist keine Delikatesse und gesund ist er auch nicht (eher im Gegenteil..).

Als ich vor einigen Wochen einen Radiobeitrag auf SWR2 über Pangasius hörte, hatten sich meine schlimmsten Befürchtungen nicht nur bewahrheitet, sondern noch verschärft. Wie kommt es aber dazu, dass dieser Fisch einen so kometenhaften Aufstieg hatte?

Das liegt vor allem an einem Punkt: er ist BILLIG.

Billig sowohl in der Zucht und Verarbeitung, als vor allem auch im Verkaufspreis.

Letztendlich könnte ich hier noch ewig darüber schreiben, an was es sonst noch so alles liegen könnte (das Aussehen des Fisches kann es eigentlich auch nicht sein… ich kenne hübschere Fische im Dorfteich um die Ecke ;-) ). Bestimmt trägt auch der wohlklingende, leicht exotisch luxeriös anmutende Name einen kleinen Teil dazu bei. Trotzdem, es bleibt dabei: er führt die Hitparade nur an, weil er so billig ist.

Jetzt werden Fans des Fisches sagen, dass dieser einen leichten und “milden” Geschmack hätte und auch deswegen so gut ankommt.

In meinen Augen völliger Blödsinn (‘tschuldigung), er ist nicht leicht und mild, er schmeckt einfach nach NICHTS. Und das Nichts hat einen guten Grund. Er besteht zum größten Teil nur aus Wasser und enthält nur geringe nahrhafte Werte.

An dieser Stellte möchte ich gerne auf einen Kommentar von Wolfram Siebeck verweisen, welcher in der Zeitung ZEIT das Resort Essen & Trinken leitet.

Bei deutschen Verbrauchern erfreut sich der geschmacklose, nährstoffarme Industriefisch jedenfalls seit einiger Zeit allergrößter Beliebtheit: Der Pangasius gehört zu den meistgekauften Fischen, noch vor der Forelle und dem Zander. Der Grund ist der Preis. Rund sechs Euro kostet das Kilo.

Das ist die Krux mit den Essgewohnheiten der Deutschen: Der Schund, den man ihnen vorsetzt, kann gar nicht minderwertig genug sein; wenn er nur billig ist, schlucken sie ihn gerne.

Den kurzen aber passenden Kommentar kann man hier in voller Länge lesen.

 

Pangasius

Pangasius / Quelle Wikipedia / Foto User:Lerdsuwa

Aber zurück zum Fisch selbst. Der Grund warum ich hier darüber blogge ist der, dass heute Abend, 09.03.2011, eine Reportage namens “Die Pangasius-Lüge – Das große Geschäft mit dem Billigfisch” in ARD-exklusiv gezeigt wird.

In dem Film wird gezeigt, wo und wie der Fisch gezüchtet wird. 90 Prozent der Pangasius-Filets stammen aus Vietnam. Dort hat sich rund um diese Fischsorte eine große Industrie entwickelt und angesiedelt. Der Pangasisu, der ursprünglich u.a. im Mekong Delta heimisch ist, wird nun im großen Stil (wie man es übrigens auch von Garnelen und Shrimps kennt) gezüchtet. In dreckigen Wasserlöchern fristet dieser rasch wachsende Fisch sein trostloses Dasein, gefüttert u.a. mit Antibiotika (die er braucht, weil er sonst unweigerlich eingehen würde und die wir wieder zu uns nehmen), die chemisch belasteten Abwässer gehen wieder zurück in den Fluss.

Oft wird argumentiert, dass dieses Form von Fischzucht am Land, die Überfischung der Meere verringern kann. Aber auch das ist Unsinn. Der unter diesen Umständen gezüchteter Fisch bekommt nämlich regelmäßig Tonnen von gemischten auf See gefangenen Fischsorten als Futter vorgeworfen (Der Pangasius ist ein Allesfresser). Gilt übrigens auch für Zucht-Lachs. Für ein Kilo Lachs werden bis zu fünf Kilo wild gefangener Fisch verfüttert.

Der Höhepunkt dieses gut geölten Systems ist dann noch, dass der Fisch nach der Schlachtung mit Phosphaten angereichert wird. Die Pangasius-Filets wiegen auf diese Weise mehr, was zwar normalerweise auf der Packung angegeben werden muss, aber auch nicht immer der Fall ist. Beschriftet oder nicht: es bleibt eine clevere Verbrauchertäuschung.

Kurzum: mir fällt kein Grund ein, warum man diesen Fisch kaufen und essen sollte. Er schmeckt nach nichts, hat keine nennenswerten Nährstoffe, wird unter ekelerregenden Umständen gezüchtet und belastet die Natur sowie die eigene Gesundheit.

Übrigens, auch wenn es mittlerweile Bio-Pangasius zu kaufen gibt, denke ich, dass hier nur auf einer Verkaufswelle mitgeschwommen wird. Sollten jetzt alle, die entsetzt die Berichte gelesen und angeschaut haben, jetzt losrennen und die Bio-Variante kaufen, kann ich auch hier nur, gelinde gesagt, einen Vogel zeigen.
Das erinnert mich nur an das bescheuerte Verbraucherverhalten beim Eier Dioxin-Skandal auf einmal wie die Verrückten im Bio-Supermarkt die Eierregale leer zu kaufen. Vorher war es aber egal. In einigen Monaten wird es das auch wieder sein.

Wer mehr wissen möchte, sollte sich also heute Abend um 21:45 Uhr wenigstens die Reportage auf ARD anschauen. Evtl. wird diese später in der Mediathek online abrufbar sein. Sollte dies der Fall sein, werde ich es hier verlinken.

Schlussendlich noch mein Tipp für den nächsten Einkauf:
achtet auf Fisch aus Ökozucht mit Naturland Zertifikat.

Programminfos für ARD-exlusiv sind hier zu finden:
http://www.daserste.de/doku/beitrag_dyn~uid,evqqm7v3h4xntcvd~cm.asp

Weitere Quellen:

Spiegel Online
http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,749893,00.html

DRadio, auch als Podcast
Unter Fischfälschern – Bei kaum einer Fischart wird nicht manipuliert
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/mahlzeit/1328535/

Ökosiegel ist nicht gleich Ökosiegel. Auch bei Fisch:
“Zwist um Ökosiegel für Zuchtfisch”
http://blog.zeit.de/gruenegeschaefte/2011/02/25/zwist-um-zuchtfisch/

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